Cheeky und Charlie

Eigentlich sollte man besser sagen: Charlie (links) und Cheeky!

Am 12. August '98 brachte die Kusine einer lieben Nachbarin die zwei zu mir. Das war vorher so mit mir abgesprochen worden. Es hieß, da sei im Nachbarort eine alte Dame verstorben, die fünf Katzen hätte: ein Muttertier mit vier Jungen. Und ALLE seien wunderschön! Zwei 1/2 Wochen, bevor ich die Kleinen bekam, wurde ihre Mutter überfahren. Und zwei der Kleinen verschwanden auf wundersame Weise (Fuchs?). Der Größe nach zu schätzen waren sie ab der sechsten Woche Waisen. Gut zwei Wochen ohne Mutter! Total verschmutz und abgemagert.

Ja, und dann kam endlich die Wahrheit ans Licht: die alte Dame hatte die Katzen nämlich nur gefüttert! Das heißt, die zwei kleinen Racker sind sogenannte Wildlinge. Und damit fingen die Probleme auch erst an. Zahme Katzen, die den Menschen gewöhnt sind, bekommt man schnell und gut unter, aber Wildlinge? Meine Tierärztin raufte sich die Haare!

Da wir ein Gästezimmer haben (früher war es ein Kinderzimmer), bekamen die Kleinen ihre eigene Toilette, Futter und Milch (Aufzuchtmilch) und das Gästezimmer wurde wieder "Kinderzimmer"! So holte ich erst CHEEKY (Englisch umgangssprachlich für "frech") aus der Transportbox, flößte ihr die erste Portion Wurmpaste ein, setzte sie auf die Toilette und ließ sie gehen. Mit Charlie verfuhr ich ebenso. Sofort versteckten sie sich hinter einigen geschlossenen Containern mit Werkzeug.

Sechs mal am Tag machte ich neues Futter, Milch und jeden Tag die Toilette. Sie vergruben ihre Geschäfte ganz tief, so, als wären sie noch bei ihrer Mutter im Wald. Jeden Tag redete ich mit ihnen, konnte sie aber nicht aus ihrem Versteck heraus bewegen. Dann fing ich an, ihnen ein Buch vorzulesen: die Schatzinsel. Immer öfter hörte ich sie nun schnurren. Wir übten "Kasseler- oder Kochschinken-Weitwurf". Die großen und auch die Kleinen sind ganz verrückt danach!

Auch in Bezug auf Katzenfutter fraßen sie mir buchstäblich die Haare vom Kopf! Zwei kleine Katzen fraßen ganze 600 - 800 g Dosenfutter pro Tag!

Ich stellte ihre Näpfe jetzt so, dass ich sie durchs Schlüsselloch sehen konnte. Putzig, die zwei!

Nach ganzen ZWEI MONATEN traute sich Cheeky dann endlich hervor aus ihrem Versteck und dem Kinderzimmer. Nein, war sie süß! Das ist sie heute noch. Genau wie Charlie.

Aber sobald sich etwas bewegte, war sie weg. Sie freundete sich mit Hatzi an. Und ab da war der Bann gebrochen. Man kam immer öfter aus "seinem" Zimmer und beobachtete mich und die großen Katzen. Egal wo.

Am 23. August '99 musste ich beide leider ins Koblenzer Tierheim geben. Gott-sei-Dank holte sie Lilo, die damals 2. Vorsitzende des Tierheims, bei mir ab. Alleine wüsste ich nicht, wie ich es sonst geschafft hätte.

Ende November bekam ich dann eine gaaanz tolle Nachricht:

Cheeky & Charlie sind in gute Hände vermittelt!!! :-)

Ein junges Paar mit Häuschen und Garten und Wald direkt hinter dem Haus und Katzenerfahrung haben sie aus dem Tierheim zu sich geholt!