HAPAG-LLOYD

Hamburgs schönste Schiffstaufe

Das größte Containerschiff der Welt hat seinen Namen: "Hamburg Express".


Von Elisabeth Stimming

Die Kulisse war bühnenreif: Eine strahlende Novembersonne ließ die Hapag-Lloyd-Farben Blau und Orange leuchten, am Liegeplatz 10 auf dem Burchardkai hatten sich am Freitag rund 140 geladene Taufgäste versammelt. Da lag sie, die neue "Hamburg Express", mit 7500 Stellplätzen für Container das größte Containerschiff der Welt. Beherzt holte Taufpatin Lydia Schrempp um 11.15 Uhr das Messingbeil aus der mit rotem Samt ausgeschlagenen Kassette und trennte das Seil, das die Champagnerflasche in der Schwebe hielt. "Allzeit gute Fahrt und eine glückliche Heimkehr, und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel", hatte die Ehefrau des DaimlerChrysler-Chefs Jürgen Schrempp ihrem Patenschiff zuvor gewünscht.
    Für Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust war es "ganz sicher die schönste Schiffstaufe". Auf jeden Fall war es seine erste: "Dass der größte Containerfrachter der Welt auf den Namen ,Hamburg Express‘ getauft wird, erfüllt uns mit Stolz und Freude, denn die Reederei gehört zur Stadt, und das geht den Menschen ans Gemüt", lobte Ole von Beust, bevor er zum ernsten Teil überging: "Das ergibt für die Politik eine Verpflichtung, der wir gerecht werden müssen - der Hafen muss zügig ausgebaut werden, auch Hafenentwicklungsflächen werden weiterhin gebraucht, dazu eine weitere Elbvertiefung."
    Für die Reederei war es die erste Schiffstaufe in der Hansestadt seit 1993. Damals wurde die "Essen Express" am Burchardkai der Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG (HHLA) getauft. Zur Taufe der letzten "Hamburg Express" (4407 Standardcontainer, 288 Meter) mussten die Taufgäste noch um den halben Globus fliegen - das Schiff wurde im Dezember 1994 in Südkorea auf der Samsung-Werft in Dienst gestellt. Das neue Flaggschiff der Hapag-Lloyd-Handelsflotte hat dafür seine Jungfernfahrt von Fernost nach Europa bereits vor der Taufe erfolgreich hinter sich gebracht, nicht zuletzt, weil die Zusammenarbeit zwischen den Hanseaten vom Ballindamm und den Schiffbauern von Hyundai Heavy Industries so gut geklappt hat. Hapag-Lloyd-Vorstand Günther Casjens: "Die Werft hat hervorragende Qualität abgeliefert."
    Und noch ein Mann strahlte am Freitag: Kapitän Richard von Berlepsch und seine Crew haben den Täufling sicher vom Werfthafen in Korea nach Hamburg gebracht. "Ein Schiff zu übernehmen und einzufahren, bedeutet auch immer eine besondere Belastung, mehr Arbeit und psychischen Druck", sagte Casjens.
    Erleichterung hatte sich auf dem Gesicht von Hapag-Lloyd-Chef Bernd Wrede abgezeichnet, als die Champagnerflasche gleich beim ersten Versuch an der Bordwand zersplitterte: "Das ist für uns abergläubische Seeleute ein gutes Omen", erklärte er später beim festlichen Taufessen im Hotel Jacob. Zur Erinnerung bekam Lydia Schrempp neben dem offiziellen Taufgeschenk auch eine Video-Dokumentation über den Bau "ihres" Schiffes. Für Wrede war es die letzte Taufe, die er als Hapag-Lloyd-Chef begleitet: "Nach 20 Jahren ist es ein gutes Gefühl, ein klar strukturiertes und erfolgreiches Unternehmen zu übergeben", sagte er.
    Die "Hamburg Express" wird Sonntag um 7 Uhr mit 7200 Containern an Bord Kurs auf Rotterdam nehmen. "Die wenigen Restplätze sind als Last-minute-Reserve für DaimlerChrysler eingeplant", scherzte Wrede. Immerhin ist DaimlerChrysler einer der Top-Ten-Kunden der Reederei, die Zusammenarbeit der beiden Konzerne reicht bis in die Zeit, als Daimler-Benz und Chrysler noch getrennt arbeiteten.


320 METER LANG, 93 000 PS STARK - DAS SCHIFF DER SUPERLATIVE

  Am 14. Februar 2001 wurden auf der Hyundai-Werft in Korea die ersten Stahlplatten geschnitten, nach knapp acht Monaten Bauzeit war die "Hamburg Express" bereit zum Ablegen: 320,38 Meter lang, 42,80 Meter breit, wiegt das Schiff 31 400 Tonnen. Mit 7500 Containern an Bord - maximal 17 Container haben in der Breite nebeneinander Platz, 16 Lagen werden übereinander vom Kiel bis über Deck gestapelt - hat der Frachter einen Tiefgang von 14,50 Metern, die Maschine schafft mit 93 000 Pferdestärken eine Reisegeschwindigkeit von 25,3 Knoten in der Stunde, das entspricht gut 50 Kilometern. Die "Hamburg Express" hat auf ihrer Jungfernfahrt bereits 7400 Container befördert. (eli)

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